Windows ist zum Kotzen (auch wenn Windows 7 nicht ganz so katastrophal ist, wie es Vista war…), und jeder vernünftige Mensch ist je nach Temperament und Faulheit schon lange zu Linux oder wie ich ins Apfel-Lager gewechselt.
Aber leider, leider: gerade im Internet-Marketing-Bereich gibt es eine ganze Reihe nützlicher (obwohl teilweise ekelhaft schlampig programmierter) kleiner Tools, die nur unter Windows laufen.
Nur wenige Anbieter und Programme (wie die SEO Power Suite, die auf Java basiert, oder Market Samurai, der über Adobe Air ebenfalls auf mehreren Plattformen läuft) sind nicht auf Windows fixiert.
Also – was tun?
Ein Extra-Notebook mit Windows ist die eine Variante. Eleganter und gewichtssparender: eine sogenannte “virtuelle Maschine” auf Deinem Mac oder Deiner Linux-Box, in der sauber eingesperrt ein Windows läuft.
Funktionsprinzip der Virtualisierung:
Es gibt verschiedene Formen der Virtualisierung – uns interessiert hier nur die Software-Variante. (Wer technischen Hintergrund will: man lese bei Wikipedia)
Multiple Persönlichkeit für Rechner: bei mir gibts neben Mac OS X auch in virtuelle Maschinen eingesperrte Windows- und Linux-Installationen
Sie zwackt einen Teil der physischen Rechnerressourcen ab, und stellt auf dieser Basis dann einen virtuellen Rechner, komplett mit BIOS, virtueller Festplatte, Graphikkarte, etc. zur Verfügung – und auf dem kann man dann ein anderes Betriebssystem installieren.
Startet man es, läuft es wie ein Programm in einem Fenster innerhalb des Host-Betriebssystems.
Je nach Konfiguration und Host-Betriebssystem kann man sogar das Gast-Betriebssystem in Vollbildmodus schalten oder einen sog. “Unity”-Modus verwenden, bei dem einzelne, innerhalb der virtuellen Maschine gestartete Programme als “normale” Programmfenster im Host-Betriebssystem angezeigt werden – was natürlich der kompletteste und komfortabelste Fall der Integration ist.
So kann man auf seinem Mac normal arbeiten, und hat z.B. in drei Fenstern zwei Windows-Programme und ein Linux-Programm laufen.
Nachteile virtueller Maschinen
- Die Performance ist bei virtuellen Maschinen (wo ja ein kompletter Rechner simuliert wird) immer etwas träger. Man braucht einen halbwegs leistungsfähigen Rechner als Host. Bei einfachen, eher textorientierten Anwendungen, wie es die meisten Marketing-Tools ja sind, stellt das aber selten ein Problem dar. Wer 3D-Graphik-Power für Spiele will (andere Gründe gibts nicht, Video-/Bildbearbeitung ist auf Mac eh besser…) verwendet besser Dual-Boot / Bootcamp. Oder bei einer PC-Box einfach eine zweite Festplatte, die man schnell umstöpselt.
- Zumindest in der Theorie braucht man eine oder mehrere Windows-Lizenz(en), da es sich um eine vollständige Betriebssystemsinstallation handelt, und nicht etwa um eine Emulation wie bei WINE oder dessen kommerziellem Ableger CrossOver.
Vorteile bei Verwendung von Virtualisierungstechniken
- Es funktioniert. Da es sich um ein “richtiges” Windows auf eigener (wenn auch virtueller) Hardware handelt, läuft alles so, wie es das auf einem separaten Windows-Rechner auch täte. Was bei Emulationen nicht immer der Fall ist, da diese nur “so tun”, als seinen sie etwas Windows-ähnliches…
- Auch schlampig programmierte oder gar Spyware-/Viren-verseuchte Programme sind in einer virtuellen Maschine relativ sicher aufgehoben. Sie können allenfalls diese verseuchen, aber im Normalfall keine Daten auf dem Hostsystem lesen oder gar beschädigen.
- Anders als bei Verwendung von Dual-Boot oder einer zweiten Festplatte kann man einfach mit seinem Hauptbetriebssystem weiterarbeiten – man braucht keinen Neustart oder Festplatten-Umstöpselei.
- Man kann eine einmal mit den grundlegenden Funktionen konfigurierte “jungfräuliche” virtuelle Maschine klonen und dann für verschiedene Zwecke immer eine frische Kopie verwenden. Gut z.B. für Testumgebungen oder wenn man fragwürdige Software verwendet.
- Mittels “Snapshots” kann man den aktuellen Stand einer VM sehr einfach sichern und jederzeit wiederherstellen – empfehlenswert vor der Installation neuer Programme in der VM.
- Je nach Hardware-Ressourcen kann man mehrere virtuelle Maschinen parallel laufen lassen – mit unterschiedlichen Betriebssystemen, untereinander vernetzt, als lokale Testumgebung zur Anwendungsentwicklung, etc.
Z.B. eine Linux-Maschine mit einem Test-Webserver, eine Windows-Sandbox, wo man gerade ein paar neue Tools ausprobiert, und eine Windows-Maschine, wo man seine Marketing-Tools laufen hat.
Tips für Windows in VMWare
- Für die virtuelle Maschine eine abgespeckte Version des guten alten Windows XP verwenden. Das Ding ist für Windows recht stabil und ausgereift, frißt nicht ganz so viel Ressourcen – und den ganzen Schnickschnack von Vista oder 7 braucht man eh nicht, schon gar nicht in einer virtuellen Maschine.
Obendrein hat man meist noch von irgendeinem alten Rechner eine gültige Lizenz herumliegen, spart also Kosten.
- Ressourcenfresser wie Virenscanner oder Firewall kann man sich in der VM sparen. Nicht, weil sie so sicher wäre, sondern weil man nur wenige Programme gezielt installiert, Snapshots macht, und bei Verseuchungsverdacht das Ding einfach zurücksetzt auf den letzten Stand. Für Installations-/Test-/Deinstallationsorgien hat man eine separate Kopie der virtuellen Maschine als “Sandbox”.
Fazit
Ich arbeite mit VMWare ungefähr so lange, wie es das Ding gibt, und kann gar nicht zählen, wie oft mir das den Arsch resp. meine Daten gerettet hat – vom Komfortgewinn mal ganz abgesehen, oder der Möglichkeit, ein anderes Betriebssystem (z.B. eine interessant wirkende neue Linux-Distribution) einfach mal schnell in eine frische virtuelle Maschine zu installieren und auszuprobieren – ohne Risiko, Extra-Festplatten oder die Einschränkungen von Live-CDs.Ich kann daher jedem, der ein Minimum an technischem Verständnis besitzt, nur dringend empfehlen, sich mit Virtualisierungstechniken vertraut zu machen und sie zu nutzen.
Lösungen & Bezugsquellen
Es gibt eine ganze Reihe von Virtualisierungslösungen. Für den technisch nur mäßig interessierten Anwender empfehlen sich zwei davon: VMWare (erhältlich sind der kostenlose VMWare Player, der kein Erstellen neuer virtueller Maschinen erlaubt, VMWare Workstation für Windows und Linux etc., und VMWare Fusion für Mac) und Parallels Desktop (Windows, Mac).
Persönlich bevorzuge ich VMWare, da Parallels etwas zickiger ist, auf welchen Rechnern und Prozessoren es laufen mag. Ansonsten nehmen die beiden sich nicht viel: einfach zu bedienen, gut und stabil, und in Sachen Performance hat mal der eine, mal der andere die Nase ein bißchen vorn…
Bezugsquellen: Downloadversionen und Trials direkt bei VMWare resp. Parallels.
“….und wo sind die Affiliate-Links, Du wirst doch keine Empfehlung aussprechen, an der Du nichts verdienst?” *lach*, doch, manchmal empfehle ich etwas einfach nur und bin zu faul, mich für zwei Verkäufe extra beim Hersteller als Affiliate zu registrieren… Und wer wird schon so bekloppt sein, solche Software mit Box und Handbuch bei Amazon zu bestellen? Eben. ;-)
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